Gefühle annehmen

Ich dachte mir immer, ich muss diesen Konflikt, dieses böse Gefühl auflösen, also loswerden, ich muss es vielleicht einfach loslassen, dem Anderen vergeben und dann ist’s weg und dann ist da nur noch Liebe.

Nix da!
Ich werde immer wieder wütend sein! Ich werde mich immer wieder schämen, immer wieder streiten, immer wieder jemanden hassen!

Ich muss nur lernen, damit umzugehen, es zu akzeptieren, es als einen Teil von mir zu sehen, es in den Arm nehmen und sagen, „es ist ok, dass Du hier bist; Du darfst hier sein!“

Was wir nämlich gelernt bekommen haben ist, man darf nicht auf die Schwester wütend sein, das ist doch Deine Schwester, die musst Du lieb haben!

Nein musst Du nicht! Die Schwester ist auch nur ein Mensch! Schön, wenn Du sie lieb hast, aber Du darfst auch wütend auf sie sein! Du darfst auch beides gleichzeitig sein!

Als Kind bekommen wir gesagt, „sei doch nicht traurig!“
Bin ich also „falsch“, wenn ich traurig bin? Darf das Gefühl nicht da sein? Als Kind nehmen wir die Dinge so an. Wir werden programmiert von unserem Umfeld, von dem wir als Kind abhängig sind. Und ich bin mir sicher, die meinen das gar nicht böse, sie geben ja einfach nur das Programm weiter, mit dem sie selbst aufgewachsen sind. Nur Du und ich, wir können uns JETZT reprogrammieren! Wir können diese Verhaltensmuster JETZT ablegen.

Also, Gefühle annehmen. Du brauchst Deinem Kind also, wenn es weint nicht sagen, „alles gut, das wird schon wieder, ist doch halb so schlimm“. Oder, „Hey, jetzt geh zu ihr hin, entschuldige Dich und vertragt euch wieder!“ Lass Dein Kind das fühlen, was es fühlt. Sei bei ihm und lass es einfach zu. Du brauchst auch nicht mit ihm weinen oder Dich schlecht fühlen, wenn Du nicht mit ihm leidest, das brauchst Du nicht, das hilft ihm auch nicht weiter. Es hilft ihm, wenn Du einfach da bist. Krass, oder?
Da fand ich den Text aus dem Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ so schön, als die Autorin, die viel Zeit bei den Yequana-Indianern verbrachte, erzählt, wie sie einem erwachsenen Mann eine Wunde behandelt, was höllisch weh getan haben muss und der Mann hat einfach, ganz ohne irgendeinen Hauch von Scham, geweint und seinen Kopf im Schoß seiner Frau vergraben. Die Frau und auch das halbe Dorf waren einfach nur dabei. Sie haben sich nicht um ihn geschart und mitgeweint oder die ganze Zeit gefragt, ob sie nicht irgendwie behilflich sein könnten, sie waren einfach nur da.

Ich habe mich auch immer geschämt, wenn ich mal weinen musste. Stimmt nicht, das tue ich oft immer noch. Ich schäme mich dafür, meine Gefühle zu zeigen. Das macht man nämlich nicht. Man ist tapfer. Man ist demütig.

 

Sagt zumindest die Gesellschaft, weil das Programm es so vorschreibt. Und so unterdrücken wir unsere Gefühle.

Die Folge: Dieses Unterdrücken wird ausgeglichen. Oft einfach durch Sucht.

Aber ganz egal, wie man es ausgleicht: ein Weg da raus ist, diese Gefühle zuzulassen!

Lass diese Gefühle, die die ganze Zeit in Dir sind, raus, fühl sie, auch wenn’s schmerzhaft ist, geh in diesen Schmerz rein. Wenn das zu viel, zu heftig für Dich ist, dann wirst Du’s auch nicht fühlen. Dann wird Dein Körper oder was auch immer sagen, ’nope, hab jetzt keine Lust drauf, kann ich grad ned‘ und wird des nicht zulassen, dass diese Gefühle in ihrer Heftigkeit hochkommen. Ich zum Beispiel schlaf deswegen bei der Meditation oft einfach ein oder bin unruhig. Ich bin einfach noch nicht bereit dafür. Und das ist ok so. Es fühlt sich zwar dann oft so an, als würde ich nicht vom Fleck kommen, aber ich vertraue darauf, dass das ein Prozess ist. Und ich merke schon natürlich auch Unterschiede zu vor ein paar Wochen.

Aber ich weiss, dass das nicht so einfach ist, wie es sich anhört; einfach die Gefühle zulassen und annehmen. Und es ist für jeden einzelnen auch sicher nochmal anders. Spiel einfach damit. Stell Dir vor, dieses Gefühl ist ein Kind, das Du lang nicht beachtet hast. Es wird sich auch noch eine Zeit lang vor Dir verstecken, weil Du es ja bis jetzt immer ignoriert hast. Nähere Dich ihm ganz langsam an, lass ihm und Dir Zeit, lernt euch besser kennen. Und dann, wenn es sich Dir öffnet, hör ihm zu. Sei da für das Kind. Hör zu, was es zu erzählen hat. Beobachte es. Nimm es in den Arm, wenn es in den Arm genommen werden will.

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Laura Seiler hat zu diesem Thema eine wunderbare Podcastfolge aufgenommen, in der sie noch diese vier Schritte mitgibt:

„Vier Schritte wie du von innerem Krieg zu innerem Frieden kommst.

1. Wahrnehmen & Anerkennen

2. Vergeben

3. Üben / Anwenden

4. Den Mut haben wieder zu vertrauen“

 

Auch sehr zu empfehlen zu diesem Thema ist Jurek’s Youtube-Kanal.

Und das Buch, das ich oben erwähnt habe: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ von Jean Liedloff.

2 Gedanken zu “Gefühle annehmen

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